Interessenkonflikte lassen sich in einer Redaktion nicht wegdiskutieren. Menschen haben Mietverträge, Familien, Vorgeschichten und Fachgebiete, in denen sie sich auskennen. Das Problem beginnt nicht bei der Bindung, sondern bei der Bindung, die niemand kennt. Deshalb gilt bei uns die einfache Reihenfolge: erfassen, im Haus sichtbar machen, im Fall benennen — und dann entscheiden, ob jemand den Text schreiben darf.
Ein aktuelles Beispiel aus dem Alltag: Wenn eine Autorin, die lange in der Energiebranche gearbeitet hat, über ein regionales Kraftwerksprojekt schreibt, ist das nicht automatisch ein Ausschlussgrund. Sie ist vielleicht die beste Fachkenntnis im Haus. Der Text wird nur nicht allein fertig: Eine zweite Person prüft Belege, Zitate und Schlussfolgerungen, und am Ende steht eine Zeile, die die frühere Verbindung offenlegt. Lesende können dann selbst einschätzen, wie sie den Text gewichten.
Bei Reisen, Einladungen und Probeflügen ist die Regel strenger. Wir nehmen an Gesprächen teil, wenn daraus ein Bericht entsteht, der auch ohne die Reise so geschrieben worden wäre. Angekündigte Reisen mit Übernahme aller Kosten durch ein Unternehmen führen dazu, dass der Bericht gekennzeichnet wird — oder gar nicht erscheint. Zwei Fälle pro Jahr sind typisch, mehr nicht, weil wir die Kosten für außergewöhnliche Recherchen lieber selbst tragen.
Bei Spenderinnen und Spendern gilt dasselbe Muster wie bei Geldgebern. Es gibt keine Stufe, auf der ein Beitrag ein Thema öffnet, geschweige denn eine Richtung vorgibt. Wir veröffentlichen keine Namen von Unterstützenden, weil das für Werbung gehalten werden kann — außer, jemand bittet ausdrücklich darum. Umgekehrt fragen wir nicht, wer uns warum unterstützt; die Liste liegt dem Buchhaltungsteam vor, nicht der Redaktion.
Wenn die Redaktion sich uneins ist, ob ein Konflikt schwer genug wiegt, entscheidet eine Gruppe aus zwei Redaktionsmitgliedern und einer Person aus dem Verlag. Das Verfahren dauert selten länger als eine Woche, weil ein Fall nicht liegen bleiben darf. Das Ergebnis wird im Haus begründet, aber nicht mit Namen veröffentlicht, um die Beteiligten zu schützen.