Es gibt eine Form der Debatte, die in Deutschland seit Jahren missverstanden wird: die Pause. Wer in einer Talkshow schweigt, gilt als unvorbereitet. Wer in einem Leserbriefforum einen Satz offen lässt, gilt als ausweichend. Und doch lässt sich ein Streit erst dann fortsetzen, wenn beide Seiten eine Pause zugelassen haben, in der sie die zweite Frage der anderen verdauen konnten, ohne sofort antworten zu müssen.
Diese Rubrik versucht, das Schweigen als Teil der Argumentation zu behandeln. Ein Essay darf hier mäandern, einen Umweg über einen alten Roman nehmen, an der richtigen Stelle stocken und ehrlich sagen, dass eine Frage noch nicht beantwortet ist. Wer in einem Text keine offenen Stellen mehr zulässt, hat ihn nicht sauber gearbeitet, sondern auf Kosten der Leserinnen und Leser geschnitten.
Wenn Sie der Meinung sind, dass diese Pausen in der heutigen Berichterstattung fehlen, schreiben Sie uns. Uns interessiert nicht, ob Sie unsere Position teilen, sondern ob Sie unser Argument verstanden haben — und wo nicht.