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Recherche-Schreibtisch am Abend mit übereinandergeschobenen, geschwärzten Papierstapeln und einem abgewetzten Kartonordner

Recherche-Standards

So prüfen wir Fakten

Jede Analyse, jede Recherche und jeder Essay bei Longform Dispatch durchläuft dieselbe Prüfung: Quellen werden benannt, Dokumente gegengelesen, Fehler stehen künftig im Text statt im Archiv. Diese Seite zeigt Schritt für Schritt, wie das abläuft.

Warum diese Seite

Vertrauen entsteht nicht durch Behauptung, sondern durch nachvollziehbare Arbeit

Wer eine Analyse liest, soll prüfen können, worauf sie sich stützt. Deshalb dokumentieren wir bei jeder politischen Analyse und jeder investigativen Recherche, welche Quellen wir benutzt haben, was belegt ist und wo wir uns irren können. Diese Seite macht das Verfahren offen — für Abonnenten, für Leser, die uns kritisieren, und für alle, die eine Korrektur melden wollen.

Unser Anspruch

Jede Aussage in einem Hintergrundbericht lässt sich auf eine Quelle, ein Dokument oder eine nachvollziehbare Einordnung zurückführen. Was wir nicht belegen können, schreiben wir nicht als Tatsache auf.

Für wen

Für Leser, die nicht nur das Ergebnis kennen wollen, sondern den Weg dahin — und für Kritiker, die sich ein eigenes Urteil bilden.

Die fünf Prüfschritte vor jeder Veröffentlichung

Reihenfolge, nicht Rang

  1. Quellen benennen: Wer sagt was, seit wann, und in welcher Funktion tritt die Person auf. Quellen
  2. Dokumente prüfen: Original statt Abschrift, Datum auf jeder Seite, Widersprüche notieren. Dokumente
  3. Gegenlesen lassen: eine zweite Person im Haus prüft Zahlen, Namen, Zitate und Datumsangaben. Gegenlesen
  4. Einordnung trennen: Aussage, Interpretation und Wertung stehen sichtbar getrennt im Text. Einordnung
  5. Nach der Veröffentlichung: Leserhinweise annehmen, prüfen und, wenn nötig, korrigieren. Nachgang
Makroaufnahme welliger Papierkanten eines Aktenstapels auf einem Lichttisch

Dokumentenarbeit

Wie wir ein Dokument prüfen, bevor es in einen Hintergrundbericht einfließt

Wir arbeiten mit dem Original, nicht mit einer Weiterleitung. Seitenzahlen, Stempel, Aktenzeichen und Randnotizen werden einzeln abgeglichen. Passt eine Stelle nicht zum Rest des Dokuments, halten wir das fest, statt sie zu glätten. Kann eine Quelle nur unter einer Bedingung sprechen, schreiben wir diese Bedingung in den Text — Leser sollen wissen, was wir wissen durften und was nicht.

Schritt Eins

Herkunft klären: von wem kommt das Papier, wer hat es noch gesehen, seit wann liegt es vor.

Schritt Zwei

Gegenstück suchen: gibt es eine zweite Fassung, eine behördliche Antwort, eine Bestätigung durch Dritte.

Schritt Drei

Stellungnahme einholen: wer im Text vorkommt, bekommt Gelegenheit zur Antwort, auch wenn sie ausbleibt.

Leerer Redaktionsraum bei Nacht mit Schreibtischen, Ordnern und Blick durch das Fenster in die dunkle Straße

Quellenprüfung

Wo wir uns irren, sagen wir es

Eine Quelle kann sich täuschen, eine Zahl kann veraltet sein, ein Zusammenhang kann sich später anders darstellen. Wir korrigieren nicht im Stillen: Änderungen stehen mit Datum und Begründung im Text. So bleibt ein Hintergrundbericht auch nach der Veröffentlichung ehrlich.

Korrekturen

Was nach einer Meldung passiert

Jede Rückmeldung landet bei der Redaktion, die den Text verantwortet — nicht in einem allgemeinen Postfach. Wir lesen die Meldung, gleichen sie mit dem Recherchestand ab und entscheiden dann in einem von drei Wegen: Die Kritik trifft zu und der Text wird geändert. Die Kritik trifft teilweise zu und wir ergänzen eine Erläuterung. Oder die Kritik trifft nicht zu und wir erklären, warum wir bei unserer Darstellung bleiben.

Trifft die Kritik zu, ändern wir den Text an der betroffenen Stelle und setzen darunter eine kurze Korrektur mit Datum. Wir löschen keine Passagen stillschweigend. Bei schwerwiegenden Fehlern in einer Analyse oder Recherche schreiben wir zusätzlich eine Erklärung, was falsch war und wie es dazu kam — auch dann, wenn der Fehler unangenehm für uns ist.

Was wir nicht tun: eine Quelle preisgeben, die nur unter Vertraulichkeit gesprochen hat. Eine Kritik ohne Prüfung übernehmen. Und einen Text so lange umschreiben, bis er niemandem mehr weh tut — Einordnung bleibt Einordnung, auch nach einer Korrektur.

Meldungen an die Redaktion: montags bis freitags, 09:00–18:00 Uhr

Woran Sie unsere Arbeit prüfen können

Keine Note, keine Auszeichnung — nur Stellen im Text, an denen Sie nachsehen können.

  • Quellenangabe Wer spricht, in welcher Funktion, und ob die Aussage bestätigt oder unbestätigt ist. im Text
  • Dokumentenhinweis Art des Papiers, Datum und ob es sich um ein Original oder eine Abschrift handelt. im Text
  • Antwort der Betroffenen Wo eine Stellungnahme vorliegt oder ausdrücklich nicht abgegeben wurde. im Text
  • Grenze der Recherche Was wir nicht klären konnten und welche Fragen offenbleiben. im Text
  • Korrekturhinweis Datum und Begründung, wenn ein Text nach der Veröffentlichung geändert wurde. im Text

Häufige Fragen zur Prüfung

Was Leser uns am häufigsten zu Quellen, Dokumenten und Korrekturen fragen.

Wie viele Quellen braucht ein Hintergrundbericht?

Eine feste Zahl wäre irreführend. Entscheidend ist, dass jede tragende Aussage unabhängig überprüfbar ist: durch ein Dokument, durch eine zweite Person oder durch eine Stellungnahme der Beteiligten. Wo nur eine einzige, nicht überprüfbare Quelle vorliegt, steht das im Text.

Warum nennen Sie Quellen nicht namentlich?

Manchmal nur unter der Bedingung, dass der Name nicht erscheint — etwa bei laufenden Verfahren oder bei Beschäftigten, die Nachteile fürchten müssten. Dann beschreiben wir im Text so genau wie möglich, welche Rolle die Person hat. Namen verschwinden nicht aus Bequemlichkeit.

Wie melde ich einen Fehler in einem Text?

Schreiben Sie an die Redaktion und nennen Sie den Text, die Stelle und wenn möglich eine Quelle oder ein Dokument. Je konkreter die Meldung, desto schneller prüfen wir sie. Wir antworten auf jede inhaltliche Rückmeldung, auch wenn wir am Ende bei unserer Darstellung bleiben.

Bleiben Korrekturen dauerhaft sichtbar?

Ja. Ein Korrekturhinweis bleibt so lange am Text, wie der Text online ist. Wir entfernen ihn nicht, wenn er unbequem wird, und wir überschreiben keine alten Fassungen, ohne die Änderung zu kennzeichnen.

Was passiert, wenn zwei Quellen sich widersprechen?

Dann schreiben wir beide Positionen hin und sagen, welche durch Dokumente oder weitere Aussagen gestützt wird. Wir entscheiden nicht nach Gefühl, welche Seite stimmt, sondern nach dem, was sich überprüfen lässt.

Hat eine Stelle in einem unserer Texte Sie stutzig gemacht?

Dann schreiben Sie es uns. Wir lesen jede Meldung, gleichen sie mit dem Recherchestand ab und antworten — unabhängig davon, ob am Ende eine Korrektur steht. Für Fragen zu einem einzelnen Hintergrundbericht, zu einer Quellenangabe oder zu einer Passage, die Ihnen widersprüchlich erscheint, ist die Redaktion die richtige Adresse.

Redaktion erreichen

Longform Dispatch
Ludwigstraße 18
80539 München

Telefon +49 89 23300

Mo–Fr 09:00–18:00 Uhr

Nachschlagen

Unsere Regeln für Quellen, Dokumente und Korrekturen gelten in jeder Rubrik — von der politischen Analyse bis zum wissenschaftlichen Bericht.