Güterpreise geben nach, weil Logistikkosten und Rohstoffe sich normalisiert haben. Der Ausgleich findet deshalb nicht mehr dort statt, wo er 2023 noch zu sehen war. Bei Dienstleistungen halten sich die Preise, weil Löhne und Mieten nachziehen — dort stehen die Kosten, die man erst mit Verzögerung im eigenen Haushalt spürt. Für Haushalte mit festem Einkommen heißt das: Die Teuerung wird langsamer, aber die Erinnerung an den Preis von 2021 bleibt im Einkaufszettel.
Leser fragen uns regelmäßig, woran sie ihre eigene Position erkennen können. Wir halten uns an drei Beobachtungen, weil sie datenbasiert sind: Erstens, wie stark die eigene Miete oder der eigene Mietvertrag an eine Indexklausel gebunden ist — das ist die indirekte, aber feste Übertragung. Zweitens, wie hoch der Anteil von Dienstleistungen in der eigenen Ausgabenstruktur ist; der Auswärtsschnitt beim Essen, Kinderbetreuung, Versicherungen und Handwerk laufen dem Verbraucherpreisindex seit Monaten voraus. Drittens, wie stark der eigene Arbeitgeber oder Auftraggeber Preisklauseln vertraglich weiterverrechnet. Wer die drei Punkte kennt, kann die Schlagzeile bei sich selbst einordnen. Diese Einordnung ersetzt keine Beratung, aber sie hilft, den nächsten EZB-Beschluss und die nächste Tarifrunde ohne Adrenalin zu lesen.
Für kleinere Unternehmen ist die Frage eine andere. Nicht der bundesweite Durchschnitt entscheidet, sondern ob die Vorleistungen sich beruhigen und ob Kreditzinsen sich dem Hauptrefinanzierungssatz wieder annähern. Solange die Marge kleiner ist als der Zinseffekt, ist die Inflation auch dann noch ein Margenthema, wenn die Statistik sie bereits abhakt. Wir schreiben für den Mittelstand deshalb nicht nur die Rate, sondern den Abstand zur Rate auf, die die Kalkulation verträgt.
Quelle: Preisentwicklung in Deutschland, ausgewertet gegen den Warenkorb im lfd. Jahr